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Steuern / Einkommensteuer 
Montag, 23.11.2020

Bilanzansatz für unfertige Leistungen

In der Bilanz eines Unternehmens sind auch die noch nicht fertigen Leistungen (teilfertige Arbeiten, unfertige Leistungen) unter der Position „Vorratsvermögen“ zu erfassen. Dafür müssen diese Leistungen am Bilanzstichtag im Rahmen der Inventur aufgenommen werden. Bei unfertigen Bauleistungen, angefangenen Reparaturleistungen müssen die jeweiligen Baustellen (Aufträge) bezeichnet und beschrieben werden, insbesondere ihr Fertigstellungsgrad.

In die Bewertung müssen daher folgende Kosten eingehen:

Materialeinzelkosten
+ Materialgemeinkosten
+ Fertigungseinzelkosten
+ Fertigungsgemeinkosten
+ AfA auf Anlagen für die Fertigung
+ Sondereinzelkosten der Fertigung
= Mindestwert nach Handels- und Steuerrecht
+ Wahlweise angemessene Teile der allgemeinen Verwaltung und Aufwendungen für soziale Einrichtungen und soziale Leistungen des Betriebs
+ Wahlweise Fremdkapitalzinsen
= Höchstwert nach Handels- und Steuerbilanz

Existiert keine ausreichend detaillierte Kostenrechnung, kann auch vom Verkaufspreis/Auftragspreis rückwärtsgerechnet werden. Dabei müssen die Vertriebskosten, ein etwaiger Unternehmerlohn, der Gewinnaufschlag und die kalkulierten betrieblichen Steuern vom Auftragswert abgezogen werden. Die bereits berechneten Abschlagszahlungen sind kein sicherer Maßstab für die Bewertung.

Die unfertigen Leistungen müssen darauf kontrolliert werden, ob der Auftrag insgesamt mit Verlust abgeschlossen wird. Dazu müssen vom Endpreis die vorläufig ermittelten Herstellungskosten und alle nach dem Bilanzstichtag noch anfallenden Kosten (einschließlich Verwaltungs- und Vertriebskosten) abgezogen werden. Für die Steuerbilanz muss auch der durchschnittliche Gewinnaufschlag abgezogen werden. Ergibt sich daraus ein Verlust, ist dieser von den Herstellungskosten abzuziehen. Auf diese Weise wird der Grundsatz der verlustfreien Bewertung erfüllt. Handelsrechtlich ergibt sich daraus der „niedrige beizulegende Wert“, steuerrechtlich als Teilwert bezeichnet.

Der Abschlag darf nicht dazu führen, dass der Wertansatz negativ wird; dies würde den nicht zulässigen Ausweis eines drohenden Verlustes bedeuten.

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Die Fachnachrichten in der Infothek werden Ihnen von der Redaktion Steuern & Recht der DATEV eG zur Verfügung gestellt.